Geschichte

Ursprung in der Maori-Kultur
Family Group Conferences fanden in Neuseeland ihren Ausgangspunkt. Mit dem Verfahren reagierte die Jugendwohlfahrt auf ihre monokulturelle Prägung und institutionellen Rassismus gegenüber der Maori-Kultur: In ihr gilt die erweiterte Familie als verantwortlich für die Erziehung und Pflege von Kindern. Diese Solidarität der Verwandtschaft und die Autonomie der Stammesgruppe wurden jedoch nicht anerkannt, Maori-Kinder wurden teils in europäischen und neuseeländischen Familien fremduntergebracht und so ihrer Verwandtschaft und Kultur entfremdet.
Nachdem diese Entwicklungen von 1982 bis 1985 in mehreren Untersuchungen erkannt wurden, schlug ein Maori-Beratungskommittee die verpflichtende Konsultation der erweiterten Familie vor einer Fremdunterbringung vor.

1989 wurde die Family Group Conference in Neuseeland als gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme im Children, Young Persons and Their Families Act verankert.

Family Group Conferences fassten inzwischen auch in den USA und Kanada Fuß. In Europa wird das Verfahren bisher in Großbritannien, Skandinavien, den Beneluxstaaten und einigen osteuropäischen Ländern erprobt. In den Niederlanden wurden bereits mehr als 2.000 Konferenzen abgehalten. In Deutschland gibt es seit einigen Jahren Pilotprojekte in unterschiedlichen Landkreisen und Städten, an verschiedenen Jugendämtern. 2007 fand das erste Nationale Vernetzungstreffen in Münster statt.

Österreich: Forschung und Lehrgang an der FH St. Pölten
In Österreich etabliert sich das Verfahren des Familienrats erst nach und nach. Bisherige Erfahrungen und Best Practice Beispiele zeigen den Erfolg und die Nachhaltigkeit von Family Group Conferences. Das Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung an der FH St. Pölten setzt sich daher für die Initiierung von Pilotprojekten ein und entwickelte einen Zertifikatslehrgang zur Koordination von Familienräten. Am 2.3.2012 startete der erste Lehrgang, die ersten AbsolventInnen erhielten im September 2012 ihre Zertifikate, die sie zur Koordination von Familienräten berechtigen.
Im Rahmen eines Masterprojektesder FH St. Pölten wurden erste Familienräte in Niederösterreich durchgeführt, wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Mehr dazu...